Packziegen - Die Ziege als Tragtier

„Im felsigen, gebirgigen Gelände, wo Esel und Lama umkehren, kommt die Ziege erst so richtig in Form.“  (frei nach John Mionsinczky, „The Pack Goat“)

Ziegen gehören neben Hunden und Schafen zu den ersten Tieren, welche Menschen vor ca.10.000 Jahren im Zuge ihrer Sesshaftwerdung zähmten. Sie schätzten ihre Intelligenz und Genügsamkeit. Ihr Fleisch und ihre hervorragende Milchleistung und -qualität nutzten sie ebenso wie ihre Fähigkeit, Lasten zu tragen.

Ziegen sind intelligent und genügsam. Sie binden sich in einer dem Hund ähnlichen Weise an den Menschen. Ihre Leistungsfähigkeit und ihr freundliches Wesen machen sie bis heute zu einem wertvollen tierischen Partner für den Menschen.

Traditionell wurden Ziegen als Packtiere u.a. in den gebirgigen Regionen des Balkans verwendet, teilweise bis heute. Seit den 1990-iger Jahren entwickelte sich in Nordamerika eine regelrechte „Ziegen-Wanderbewegung“ (z.B. North American Packgoat Assasiation): Begeisterte „Ziegenpacker“ (goatpacker) erwandern dort mit ihren wildnistauglichen Gefährten auf oft wochenlangen Touren landschaftlich großartige, teils schwer zugängliche Nationalparks.

Als Tragtier werden in der Regel Böcke verwendet. Sie sind kräftiger und größer als weibliche Ziegen. So können sie nach ihrer Ausbildung auch eine größere Packlast bewältigen. Ein ausgewachsener, gut trainierter Packbock ist in der Lage, bis zu 20% seines Körpergewichtes (ca. 20kg) zu tragen.

Böcke mit kräftigem, tadellosen Körperbau und zutraulichem Wesen werden im Alter von wenigen Wochen ausgewählt und mit der Flasche aufgezogen. Im ersten Trainingsjahr lernen die kleinen Kerle auf vielseitigen Wanderungen mit Menschen in einer Herde unterwegs zu sein. Sie trainieren Muskeln und Gelenke und lernen alles, was es für einen guten, verlässlichen Packbock braucht. Basis dafür ist eine enge, vertrauensvolle Beziehung zur Bezugsperson. Später gewöhnen sich die Tiere an den Packsattel. Ab dem 3. Jahr tragen sie bereits leichte Lasten. Mit 4 Jahren sind die Böcke im Wesentlichen ausgewachsen und können bei entsprechender Kondition und abgestimmt auf die Anforderungen der Tour maximal beladen werden.

Eine möglichst späte Kastration der Tiere ist leider unumgänglich. Der mit der Geschlechtsreife auftretende, arttypische Bockgeruch (ca. 6. Lebensmonat) ist für die meisten Nasen unerträglich.

© Stefan Hrozny 2018 . Erstellt mit Wix.com